Tagung zum 70. Geburtstag von Sepp Mall
14.03. - 15.03.2026
|Innsbruck und Graun


Zeit & Ort
14.03. - 15.03.2026
Innsbruck und Graun
Über die Veranstaltung
Zeitlichkeiten und poetische Landschaften im literarischen Werk von Sepp Mall
: Vergangenheitsdörfer / was bleibt
ist ein schwülstig verwehter Flieder-
duft / der sich bis in die Träume
zieht
Sepp Mal, 1955 in Graun im Vinschgau geboren und zunächst vor allem als Lyriker bekannt, wurde 2023 für seinen Roman Ein Hund kam in die Küche mit dem Literaturpreis Premio Letterario Internazionale Merano Europa ausgezeichnet und für den Deutschen Buchpreis nominiert: Spätestens seitdem gilt er als einer der bedeutendsten Schriftsteller Südtirols. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der Südtiroler Nachkriegsgeneration, die sich literarisch mit den prägenden Themen Faschismus, Option, Krieg – kollektive Traumata, die die Geschichte Europas im Allgemeinen, jene Südtirols in Besonderem geprägt haben – auseinandersetzen. Viel Aufmerksamkeit über die regionalen Grenzen hinaus brachte ihm bereits der Roman Wundränder (Haymon 2004) – ein Roman, der in den 1960er Jahren spielt und sich mit den separatistischen Bestrebungen der so genannten Südtiroler Freiheitskämpfer auseinandersetzt. Er wurde von Sonja Sulzer mit dem Titel Ai margini della ferita ins Italienische übersetzt (Keller editore 2024) und zur kanonisierten Schullektüre in Südtirol.
Sepp Mall gehört zu jenen Schreibenden, die gleichermaßen in der Poesie wie in der Prosa zuhause sind. Seine Poesie umfasst ein breites Spektrum an Themen; neben politischen Hintergründen (häufig ist es auch hier die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit Blick auf den Holocaust, z.B. in Holz und Haut, Haymon 2020), befasst sich Sepp Mall insbesondere mit der Natur, Tier- und Pflanzenwelt (Schläft ein Lied, Haymon 2014) sowie u.a. mit der literarischen Erkundung unterschiedlicher Landschaften und Orte, darunter auch jener Ort, an dem er aufgewachsen ist: Graun am Reschensee liegt im Länderdreieck Italien, Österreich und der Schweiz – ein Grenzort, der zweifellos seine Spuren im Schreiben Sepp Malls hinterlassen hat.
Seit jeher ist der heute in Meran lebende Schriftsteller ein Grenzgänger, der sich zwischen seiner Verlagsheimat Österreich sowie seiner „Heimat“ Südtirol mit den Sprachen Italienisch und Deutsch bewegt. „Bin ich am End´ ein österreichischer Schriftsteller“ fragte sich der „scrittore italiano di lingua tedesca“ Sepp Mall selbstironisch 2022 im Zuge eines Projekts, in dem die Frage gestellt wurde, was die jeweilige Literatur mit jenem Land zu tun hat, in dem sie entsteht oder publiziert wird. Sepp Mall ist Mitglied der IG Autorinnen und Autoren mit Sitz in Wien sowie der Grazer Autorenversammlung. Beide Vereinigungen waren Vorbild für die Gründung der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung, dessen Gründungsmitglied Sepp Mall ist.
Sepp Malls literarischer Grenzgang ist gekennzeichnet durch jenes prägende Bewusstsein, das Sprache als Machtinstrument begreift. Umso sorgsamer, so verdeutlichen es die Poesie und die Romane Sepp Malls, muss mit ihr umgegangen werden, umso wichtiger ist es auch, Begriffe im Zusammenhang mit „Heimat“ zu hinterfragen.
In dieser Tagung setzen wir den Schwerpunkt auf die literarische Verhandlung von Zeitlichkeiten und Landschaften in den Prosawerken und der Poesie des Autors, wobei Themenrichtungen wie die literarische Auseinandersetzung mit Erinnerungen, literarische Chronotopoi, Raum- und Zeitmotive, narrative und poetische Verfahren für die Darstellung von Zeit, Raum- und Zeitgefüge in Romankonstruktionen und nach Zeit/Raum/Landschaftsübertragungen in den Übersetzungen gefragt wird.
Die zweitägige Veranstaltung zum 70. Geburtstag von Sepp Mall wird in Zusammenarbeit verschiedener Kulturinstitutionen dies- und jenseits des Brenners organisiert. Sepp Malls Selbstverständnis als Grenzgänger und die Stationen seines Werdegangs als Schriftsteller spiegeln sich auch in der Auswahl der Beiträge und Austragungsorte.
Der erste Tag der Veranstaltung findet am Samstag, 14.3. von 9 bis 17 Uhr im Literaturhaus am Inn statt: Die Beiträge blicken auf das Werk des Autors mit jeweils unterschiedlichen Perspektiven. Um 19 Uhr liest Sepp Mall Lyrik und Prosa aus 50 Jahren „überlegtem“ Schreiben, beginnend mit den ersten in den Studienjahren 1975/76 in Innsbruck entstandenen Gedichten. Den Abschluss dieses Tages sowie den Auftakt des nächsten bildet eine Uraufführung der Wort-Klang-Performance „ich spreche, ich werde gesprochen, wer spricht zu wem“ von Eduard Demetz. Am zweiten Tag findet eine Matinée mit literarischen Beiträgen von Wegbegleiter:innen am Geburtsort von Sepp Mall in Graun im Vinschgau statt.
Der Eintritt ist an beiden Veranstaltungstagen frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Infos zum Programm: Zeitlichkeiten und poetische Landschaften im literarischen Werk von Sepp Mall - Tagung zum 70. Geburtstag von Sepp Mall – Universität Innsbruck
Organisiert von:
Maria Piok (Forschungsinstitut Brenner-Archiv / Literaturhaus am Inn, Innsbruck)
Barbara Siller (Department of German, University College Cork, Irland)
Katrin Klotz (Südtiroler Künstlerbund, Bozen)
Alma Vallazza (ZeLT. Europäisches Zentrum für Literatur und Übersetzung, Brixen) in Zusammenarbeit mit SAAV. Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung
Gabriele Wild (Literaturhaus am Inn, Innsbruck)
Mit freundlicher Unterstützung von:
Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Philologisch-kulturwissenschaftliche Fakultät, Vizerektorat für Forschung, International Relation Office (Universität Innsbruck)
Verein Brenner-Forum / Literaturhaus am Inn / ZeLT. Europäisches Zentrum für Literatur und Übersetzung, Brixen / SAAV. Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung / SKB. Südtiroler Künstlerbund / GAV. Grazer Autorinnen Autorenversammlung / Südtirol / Bildungsausschuss Vinschgau
