cësa da lat dijes tu
milchhaus sagst du
Poejies / Gedichte von Nadia Rungger

Schnee wird über den Zaun geschöpft, Wellen werden aus dem Meer gehoben, ein Haus wackelt und ab und zu tasten wir nach der Welt. Doch was, »wenn sie nicht ist / wo ich vermute«, »sce l ne ie nia iló / ulache l ratove«, und warum zieht es in uns? Die Gedichte legen frei, suchen nach Gründen. Wie erzählt Sprache von dem, was wesentlich ist und weit? Der Alltag wächst über sich hinaus und es kommt zu einer Annäherung, diesmal »als fisch / mit kleinen schritten«, »coche pësc / cun de pitli vares«.
In ihrer Lyrik spürt Nadia Rungger unseren Bewegungen nach, fragt nach der Position der Brust, der Augen, nach unserem Blick für uns selbst. Sie spielt mit Klang und Konstellationen, setzt Bilder von einer Sprache in die andere über und spricht sie neu aus, öffnet einen Raum für Begegnung. Die entstehenden Gespräche nehmen sich neuer Gegebenheiten an, bewegen sich an einem Ort zwischen den Sprachen.
»l ie na cësa da lat
dijes tu y
da ti paroles
toli ora n stuel
l castl y
l port desbiech
es ist ein milchhaus
sagst du und
deinen worten
entnehme ich
einen stuhl
den schrank und
den schiefen gang«
